Ein weniger skeptischer als
erwartet ausgefallener Ausblick der Europäischen Zentralbank
(EZB) auf die Konjunkturentwicklung hat die Rentenmärkte am
Donnerstag belastet. "Trichets Ton war etwas optimistischer als
man erwarten konnte. Damit sind die letzten Hoffnungen dahin,
dass die EZB die Zinsen weiter senken wird", kommentierte
Zinsstratege Christoph Rieger von Dresdner Kleinwort. Der für
die europäischen Rentenmärkte richtungweisende
Bund-Future
verlor 58 Ticks auf 119,25 Zähler. "Die Äußerungen von Herrn Trichet werden am Markt
dahingehend interpretiert, dass die konjunkturelle Talsohle bald
erreicht werden kann", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Trichet
hatte während der Pressekonferenz zum Zinsentscheid der EZB in
Frankfurt erklärt, jüngste Umfragedaten ließen darauf schließen,
"dass nach zwei Quartalen mit sehr negativen Wachstumsvorzeichen
im weiteren Verlauf des Jahres die wirtschaftliche Aktivität
nicht mehr so stark nachlassen wird". Allerdings senkte die
Notenbank ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum weiter.
Die EZB und die Bank of England hatten ihren Leitzins wie
vom Markt erwartet unverändert bei einem beziehungsweise 0,5
Prozent belassen. Das britische Pfund geriet dennoch unter
Druck, was Devisenhändler auf die unsichere politische Situation
im Vereinigten Königreich zurückführen. Spekulationen über einen
Rücktritt von Premierminister Gordon Brown wurden allerdings von
dessen Büro zurückgewiesen. Gegenüber dem Euro fiel auf
bis zu 0,8762 Pence.
Der Euro ging während der EZB-Pressekonferenz auf Berg- und
Talfahrt und notierte zuletzt leicht im Plus bei 1,4185 Dollar.
Analysten zufolge stützen die Aussagen des EZB-Chefs zum
Wachstum und zur Unabhängigkeit der EZB den Kurs der
Gemeinschaftswährung. Zugleich habe Trichet aber mit Äußerungen
über einen starken Dollar den Euro gebremst. Trichet hatte
erklärt, es sei außerordentlich bedeutsam, dass sich die
US-Regierung ihre Unterstützung für einen starken Dollar
ausdrücke. "Dies ist eine extrem bedeutende Botschaft", sagte
er.
Unterdessen fiel die Schwedische Krone auf ein
Sechs-Wochen-Tief gegenüber dem Euro von 10,98 Kronen. Händler
begründeten dies mit wachsenden Sorgen über einer Abwertung des
lettischen Lat als Folge der wirtschaftlichen Krise des
baltischen Staates. Schwedische Banken haben in großem Umfang
Kredite ins Baltikum vergeben.